
Abbau bei Barum: Charakteristisch war die Zebra-Bemalung der Zug- und Rangierfahrzeuge.
Ich liebe guten Circus – und einen mochte ich ganz besonders: Circus Barum!
Nach einem Schrumpfungsprozess Anfang der 80er, verbunden mit einem kurzen experimentellen Intermezzo, war dieser Stil schnell gefunden, der sein Publikum immer wieder auf’s Neue begeisterte und dafür sorgte, dass das Chapiteau im Gegensatz zu den Zelten vieler Mitbewerber erstaunlich oft gut bis sehr gut besetzt war.
… dies alles im Dienst einer überaus gelungenen, kurzweiligen und abwechslungsreichen Programmzusammenstellung ohne Längen und Füllnummern.
Siemoneit hatte immer ein besonderes Händchen für originelle und publikumswirksame akrobatische Nummern mit Klasse. Dutzendware mit Zweit- und Drittnummern war nicht sein Ding, Qualität ging vor Quantität – und hier war weniger wirklich mehr!
Größere Truppen gab’s meistens erst vor dem Finale und die gestalteten ganz klassisch furiose Schlussnummern wie z.B. eine verwegene Reiterei – begeisternder Circus pur eben.
Starnummern waren auch immer wieder zu sehen und sorgten für bleibende Erinnerungen auch beim breiten Publikum, so zum Beispiel Don Martinez mit seiner herrlich komischen Trampolindarbietung.
Die Bedeutung der musikalischen Begleitung des Programms kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele Melodien haben sich mir richtig eingeprägt, die Rota-Musik zum Opening z.B., die Begleitung einer langjährigen Flugtrapezgruppe oder die heiter beschwingte Melodie zum Finale.
2008 wurde dann das Ende des traditionsreichen Circus verkündet, wobei das Programm streckenweise wieder die alten Qualitäten zeigte.
So erlebte ich noch einmal eine schöne Vorstellung in meinem Lieblingscircus, den ich seit über 30 Jahren kannte und seit Mitte der 80er Jahre mit großer Freude mindestens einmal jährlich besucht habe.
… Circus, der mir gefiel wie kein anderer in unserem Land: Klassischer, großer Circus mit seiner einzigartigen Atmosphäre, Circus pur! Abgesehen von diesen wehmütigen persönlichen Erinnerungen, ist der Circus Barum auch für diesen Blog interessant. Er war wohl der einzige deutsche Circus, der eine regelrechte "Sideshow" mit sich führte, in der die Direktion Kreiser bis in die 1920er Jahre Kuriositäten und Illusionen präsentierte.
Auch unter der Direktion von Gerd Siemoneit gab es ein wenig "Budenzauber" zu erleben: Noch in den 80er Jahren präsentierten die marokkanischen Zeltarbeiter, kostümiert als "Söhne des Atlasgebirges", in der Tradition der "Völkerschauen" "traditionelle" Trommelmusik. Außerdem nutzten sie ihre "Marokkoshow" während der Pause im Elefantenzelt zum Souvenirverkauf, u.a. mit allerlei kunstgewerblichen Gegenständen. Der Verkauf von Souvenirs stellte früher in den Schaubuden und Völkerschauen häufig weit mehr als eine Nebeneinnahme für die Akteure dar. Insbesondere die verbreiteten Souvenirpostkarten bildeten eine sehr wichtige Einnahmequelle.
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