Holzstiche und (dazugehörige) Texte in illustrierten Zeitschriften des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts bilden bedeutsame Quellen zum Jahrmarktstreiben jener Jahre, wobei ein häufig vorkommender, mehr oder weniger ausgeprägter humoristisch-ironischer Unterton in Bild und vor allem Wort ihre Aussagekraft durchaus nicht schmälert:
„Wir
stehen vor einem Zirkus, der seinen ganzen Besitz an ewig Weiblichem
zur Schau ausgestellt hat, während die Clowns sich bemühen, durch
ihre Scherze das Publikum anzulocken, und das Orchester sie mit
herzzereißenden Klängen unterstützt. Der 'bayrische Herkules', von
dessen wunderbaren Thaten das Plakat an der Wand der Bude erzählt,
findet es wahrscheinlich unter seiner Würde, sich dergestalt zu
zeigen, wenn er seine Zeit nicht benutzt, um neue Kräfte zu sammeln.
Aber
es gibt noch weit interessantere Dinge, wenn wir wir uns wieder ins
Gedränge wagen. Wer zum Beispiel 'Rußlands größten Schrecken'
noch nicht kennt und sofort an Nihilisten und Verschwörer denkt,
sieht ihn zu seiner Verwunderung in der Gestalt 'zweier lebender
Walroßrobben', und wer sich wissenschaftlich anregen will, kann in
dem benachbarten Wachsfigurenkabinett einen sterbenden Zulukaffern,
'Wallenstein, Herzog von Friedland mit seiner Thekla, einzige
Tochter', 'Napoleon auf der Insel St. Helena' und den 'Frauenmörder
Schenk' finden.
Aus
dem Reich der Wissenschaft geraten wir dann wieder in jenes der
Kunst. Den größten Zulauf hat Kasperl, der Unsterbliche. Ihm fehlt
es nie an Publikum, während die Ausrufer der Panoramen die
vorübergehenden an den Rockschößen festhalten müssen und die
Besitzer der 'Photographie'-Salons nur mit Hilfe eines beständigen
Redefeuers ab und zu ein Bäuerlein oder ein halbwüchsiges Mädchen
einzufangen vermögen.“
(Bild und Text aus Schorers
Familienblatt. Salon-Ausgabe. Juli bis Dezember 1887)
