Samstag, 15. Oktober 2016

Großkunde


Sammlung Nagel

Das ureigenste Werbemittel der Schaubuden war seit jeher die Parade, "die Schau vor der Schau". Desweiteren inserierten die Prinzipale in Zeitungen und ließen Werbezettel verteilen oder aufhängen. Ende des 19. Jahrhunderts kam das farbige Plakat auf, das Schausteller, Artisten und insbesondere Circusdirektoren rasch für sich entdeckten. Die Hamburger Druckerei Friedländer war auf Aufträge dieses Klientels spezialisiert.
Unter den Schaubuden warben vor allem größere Geschäfte mit diesen wirkungsvollen, aber aufwändig zu produzierenden und daher kostspieligen Lithographien. Kleinere Geschäfte setzten allenfalls Lagerplakate mit Darstellungen der gängigen Attraktionen ein, die die Druckereien stets vorrätig, also "auf Lager" hatten.
Die Familie Schichtl mit ihren großen und beliebten Jahrmarktstheatern ließ demgegenüber zahlreiche eigene Plakate bei Friedländer und anderen "lithografischen Anstalten" drucken.
Im Gegensatz zu den Marionettenspielern, die in (Gasthaus-)Sälen abendfüllende Stücke aufführten, zeigten die Schichtl-Theater vornehmlich kleine Szenen mit Kunst- und Verwandlungsmarionetten. Viele der Plakate warben mit Illustrationen dieser Programmpunkte. Das abgebildete Exemplar stellt ein typisches Beispiel hierfür dar. Wenn es auch hinsichtlich des Bildaufbaus, der Farb- und der Schriftgestaltung nicht zu den herausragenden Schichtl-Plakaten zählt, vermittelt es dennoch den besonderen Charme dieser Druckerzeugnisse aus dem Hause Friedländer in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Weitere Originale aus meiner Sammlung finden sich unter www.schaubuden.de auf den Seiten 66, 67, 165, 169 und 170.

Werbung für Friedländer "Lager-Lithos" aus dem Jahr 1904
(Stiftung Zauberkunst)

Montag, 1. August 2016

Lunapark


Titelillustration von Theo Köves

"Wenn der Berliner nicht weiß, was er anfangen soll - dergleichen kommt vor -, dann geht er gern in den Lunapark. Der eine geht aus Überzeugung hin; der 'Jebildete' nur zum Spaß. Der Lunapark hat für jeden etwas in der Tüte. Hier darf er sich amüsieren. Er muss nur stehen bleiben, die Augen und Ohren offen halten und - schon tritt der Spaß den Menschen an. Gegen eine Mark Entree.
Zunächst gerät man in eine nächtliche Hölle von Lärm und Licht. Man versinkt in Radau und Menschen, wird anonym und sogar ein bisschen leichtfertig. Als trüge man eine Karnevalsmaske, die von allen Sorgen und aller Wichtigkeit freispricht. Und wenig später steht man auf Zehenspitzen, um zu sehen, was los ist. - Es ist vielerlei los. (...)" (Erich Kästner in der Neuen Leipziger Zeitung vom 11. September 1929)

Solche großzügig angelegten Vergnügungsparks mit Tanzlokalen, künstlichen Seen, Restaurants, Theatern, Verkaufsbuden, Geschicklichkeits-, Belustigungs-, aufwändigen Fahr- sowie wenigen Schaugeschäften entstanden nach dem New Yorker Vorbild Coney Island in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg in den Randbezirken vieler europäischer Großstädte. Der von Kästner beschriebene Lunapark in Berlin-Halensee war einer der größten seiner Art in Deutschland. Anfang der 1920er Jahre wurde er unter Mitwirkung des herausragenden Plakatgestalters und Bühnenbildners Josef Fenneker neu gestaltet, und viele Attraktionen erstrahlten zeitweise in Fennekers expressiver, bizarrer Farb- und Formgebung, die auch seine fantastischen Filmplakate für das "Marmorhaus" am anderen Ende des Kurfürstendamms auszeichneten.
Weitere Lunaparks existierten u.a. in Leipzig, Hamburg und Dortmund. Obwohl sie sämtlich nur kurze Zeit existierten und spätestens infolge der Weltwirtschaftskrise schlossen, bildeten die Lunaparks doch eine Zeit lang in vielen Städten Zentren der Vergnügungskultur breiter Schichten.
"Der Lunapark ist dem Menschen von heute (...) eine Art Nerven-Sanatorium geworden: Feuerwerk, Raketen in tausen bunten Farbengarben, Jazzband, Ballett, Bars und Wackeltopp. Wiener Würste, Bayrisch Bier, Weinterasse, Hippodrom, Teufelsrad ... das süße Mädel fällt auf seine entzückende Kehrseite! ... der Jüngling äugt (o Gott!) ... Herr Meyer, der seine Strohwitwerschaft durch den lauen Sommerabend spazieren führt, erwischt die Gelegenheit (...) ... die Gebirgsbahn kreischt ... (die Fäuleins auch) ... das Wasser spritzt ... der eiserne Teich knirscht und die darüberschaukelnden Schltten biegen sich unter den Küssen der Liebespärchen ... Rummel - Rummel (...) die Seligkeit des irdischen Paradieses: der Lunapark!" (Edmund Edel in einer Ausgabe des K-E-Magazins aus dem Jahr 1926)  

So richtig "rund" ging's im LUNA-Park dabei erst nach Sonnenuntergang - und nicht von ungefähr widmete das "Herrenmagazin" "Reigen" dem Park am Halensee 1924 eine Art Themenheft mit Illustrationen einschlägiger Art. 



Lunapark 1924
(Heinz Pringsheim)

Im Lunapark steht die Saison bereits bereits im vollsten Flore,
Die siebenzigste Attraktion eröffnet ihre Tore.
Das Feuerwerk steigt in die Luft in buntesten Ergüssen.
Die Leute kommen angepufft mit Aut- und Autobüssen.
Drum woll'n auch wir ganz wie in frühern Jahren
Im Teufelsrad und auf der Rutschbahn fahren!

Die Lampen glühn, die Nacht ist klar, der Halensee rauscht leise,
Komm, Liebste, in die Lunabar, dort drehn wir uns im Kreise!
Die Jazzband spielt mit klapp und klipp und vielen Kantilenen,
Wir trinken einen Mokkaflipp und sieben blut'ge Tränen,
(...)

Noch einmal schnell die Rutschbahn rauf, die Rutschbahn wieder runter!
Fürwahr, der ganze Lebenslauf wir immer kunterbunter.
Noch staunt man jeder Attraktion mit viel Gefühl entgegen,
Mein liebes Kind, das gibt sich schon, das wird sich wieder legen.
Wie sollt' mir alles das nicht fad erscheinen,
Vergleich ich es mit deinen Märchenbeinen!


Teufelsrad

... und Toboggan waren immer zu finden.


Abbildungen: Sammlung Nagel


Samstag, 9. April 2016

Lumpenproletariat



Zu allen Zeiten waren Artisten, die sich auf den Straßen und Plätzen der Städte, bestenfalls in armseligen Schaubuden oder schäbigen "Spelunken" produzierten, Teil der Unterschicht.
Karl Marx zählte diese "Herumtreiber", die "nie ihren Tagediebcharakter verleugnen" zum "Lumpenproletariat", wobei die heftigen, undifferenzierten Auslassungen des großen Klassentheoretikers letztendlich nur kleinbürgerliche Vorurteile und uralte Ausgrenzungen widerspiegeln,* die zum Teil bis heute fortwirken. Zum Lumpenproletariat, "die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen la bohème nennen", zählte Marx "neben zerrütteten Lebeherren (...) von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, (...) Gauner, Gaukler, (...), Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, (...), Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker und Bettler."

Ähnlich ihrem deutschen Kollegen Heinrich Zille nahmen sich Eugene Cadel und Henri-Gabriel Ibels dieser umherziehenden Unterhaltungskünstler, den "Saltimbanques", in all ihren Erscheinunsgformen besonders häufig an. Sie gehörten zu den großartigen französischen Karikaturisten, die um die vorletzte Jahrhundertwende in Zeitschriften wie "Le Rire", "Le Sourire" oder "Assiette au Beurre" mit oftmals bitterer Ironie harsche Sozialkritik übten.

Cadel 1901

Ferdinand Louis Gottlob 1902

Henry Mirande 1904

Abbildungen: Sammlung Nagel

Diese Vorurteile und Ausgrenzungen haben ihre Wurzeln in der wortwörtlichen "Verteufelung" der mittelalterlichen "Spielleute"  durch die Kirche, aber auch in der Verachtung, mit der den fahrenden Unterhaltungskünstlern durch die Gesellschaft per se begegnet wurde. Zudem stand ihr "ausschweifendes, unstetes Leben im lebhaften Gegensatz zur festen, statischen Ordnung der mittelalterlichen Ständegesellschaft". (Werner Danckert) "Mittelalterliche Herrschaftsmethoden setzen eine in ihren Schichten und Gruppen immobile Gesellschaft voraus, wenn sie wirksam sein sollen." (Wolfgang Hartung)
Seit Beginn der frühen Neuzeit wurden Musikanten, Artisten und Mimen nicht mehr unter dem Begriff "Spielleute" zusammengefasst, sondern es wurde zunehmend zwischen Gauklern, Komödianten und Musikanten unterschieden. Auf die Artisten sowie den Großteil der Komödianten und der Spielleute mit einem niedrig eingestuften Instrumetarium als Teil des "Fahrenden Volkes" wurden die Ressentiments von Kirche, Obrigkeit und Bevölkerung gegenüber den niederen Spielleuten des Mittelaters übertragen.

Im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit rechnte man die Gaukler unterschiedslos zum "Geschlecht" der zum Massenproblem gewordenen Scharen fahrender Vagabunden: Bettler, Scharlatane, streunende Priester ("Lotterpfaffen"), Huren, Diebe usw.
Die Gauklerkünste wie Akrobatik, Possenreißerei oder Taschenspiel zählten zu den Überlebensstrategien, die die steigende Zahl Fahrender ausübte. "Und die neuen Armen - (...) - die draußen so erbärmlich um Almosen heischen, und Schauspieler wie Ror- und alle anderen Gaukelaffen! Mit Masken, Tricks, artistischen Verrenkungen und falschen Liedern heischen sie um das Mitleid der ahnungslosen Kirchgänger. Die haben bei den Spielleuten 'studiert'." (zit.n. Boehncke/ Johannsmeier)

Als Teil der Vaganten, die wie im Mittelalter als ehrlos galten, wurde den neuzeitlichen Gauklern das Heimatrecht verweigert und sie waren von der Erlangung bürgerlicher Berufe ausgeschlossen. Die Fahrenden wurden oftmals auch verallgmeindernd als "Gauner" bzw. "Jauner" bezeichnet. Da das Vagieren eh unter Strafe stand und die Einnahmen von Artisten oder Musikanten häufig nicht zum Leben reichten, waren kleinere Gelegenheitsdiebstähle oftmals überlebensnotwendig. Doch auch wenn sie sich nichts zuschulden kommen ließen, waren sie nicht vor Verfolgung geschützt. "Wurde irgendwo ein Diebstahl oder Einbruch angezeigt, versuchte man sofort, der gerade die Gegend durchstreifenden Vaganten habhaft zu werden, auch wenn es ansonsten keine konkreten Hinweise auf die Täterschaft gab." (Carsten Küther)

Selbst zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich für die Artisten, Puppenspieler, Schausteller und Wanderkomödianten wenig, auch wenn sie die "beliebtesten Landgänger" (Angelika Kopecny) waren. Ihre Künste waren nicht sehr geachtet, aber beim Volk beliebt, außerdem wurde ihnen im Gegensatz zu anderen Vaganten zunehmend weniger der Vorwurf der "Faulheit" bzw. der Arbeitsunwilligkeit gemacht. Trotzdem gab es nicht zuletzt auf Druck von Kirche und bürgerlichen Sittenwächtern zahlreiche Verbote des Vorstellungsgebens und Verordnungen gegen die fahrenden Unterhaltungskünstler.

Literatur:
Werner Dankert: Unehrliche Leute. Die verfemten Berufe. Bern 1963
Wolfgang Hartung: Die Spielleute. Eine Randgruppe in der Gesellschaft des Mittelalters. Wiesbaden 1982
H. Boehncke und R. Johannsmeier: Das Buch der Vaganten. Köln 1987
Carsten Küther: Menschen auf der Straße. Vagierende Unterschichten in Bayern, Franken und Schwaben in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Göttingen 1983
Angelika Kopecny: Fahrende und Vagabunden. Berlin 1980

Sonntag, 31. Januar 2016

Triers Panoptikum




Wenn hinter den Illustrationen Walter Triers in der Regel auch nicht die deutliche Sozialkritik hervorscheint, die die Zeichnungen Heinrich Zilles mit ausmachen, so verbindet die beiden nicht zuletzt ein herzenswarmer und humorvoller Blick auf die Menschen im Alltag in sehr ähnlichen Umfeldern. Beide hatten dabei ein besonderes Faible für die Artisten, den "Rummel, den Circus - kurz das "Fahrende Volk". Umherziehende Circusleute zeichnete Trier gleich mehrfach, wobei in der nachfolgend abgebildeten Illustration "Fahrendes Volk" aus "Triers Panoptikum" (1922) jeglicher ironisch-heitere Ton einer völligen Tristesse gewichen ist, wie sie Trier gerade auch im Hinblick auf dieses Metier eigentlich fremd war.



"Arte Italiana"

Sammlung Nagel


Sonntag, 10. Januar 2016

Letzte Gelegenheit


"Hereinspaziert! Folgen Sie der Menge!" - "Le Rire" 1908, Sammlung Nagel


Vorstellungen, die vor weitgehend leeren Rängen ablaufen, sind in unseren Tagen insbesondere bei kleinen Circussen eher die Regel als die Ausnahme. Das Klagen der Reisenden darüber und wehmütige Rückblicke auf vermeintlich bessere Jahre sind dabei so alt wie Genealogien der Artistenfamilien - auch wenn es immer wieder Zeiten gab, in denen aus unterschiedlichsten Gründen die Produktion reisender Artisten kurzfristig größeren Zuspruch fanden. 
Nicht zuletzt im harten Konkurrenzkampf der Schaubuden auf einem Jahrmarkt war es ein schweres Geschäft, "den Laden einigermaßen voll zu bekommen". Häufig nutzten nach der Parade nur wenige Besucher die "letzte Gelegenheit", einen der "wenigen noch freien Plätze" zu ergattern, und die "Schau vor der Schau" wurde so oft wiederholt, bis die Reihen zumindest einigermaßen gefüllt waren ... 

"So gehts do no wer eini, - sehgts es net, daß si der fürcht't, alloani?"
"ZickZack" 1913, Sammlung Nagel

Fritz Wolff um 1925, Sammlung Nagel


Mittwoch, 6. Januar 2016

Große Versprechen


"Noch nie dagewesen"
"Und was ich Ihnen nun aber zeigen wollte, meine Herrschaften,
das Phänomen einer Kreuzung zwischen Dogge und Kaninchen,
so kann ich Ihnen dieses Phänomen leider nicht zeigen, indem
es erkrankt ist. Aber das Kaninchen und die Dogge, genannt das
rätselhafte Elternpaar - das muß man gesehen haben!"

(Simplicissimus 1908, Sammlung Nagel)

Die „Parade“, „die Schau vor der Schau“ insbesondere kleinerer Buden, inspirierte zahlreiche Literaten, Komponisten*, Maler und Grafiker. Oftmals gaben die phantastischen , großspurigen Anpreisungen vermeintlicher Attraktionen, Sensationen und „Weltwunder“ Anlass zu humoristischen Auseinandersetzungen mit dem „Budenzauber“, so bei Karl Valentin, Heinrich Zille** oder Erich Kästner:

Wer hat noch nicht? Wer will noch mal?

Na, wer hat noch nicht? Na, wer will noch mal?
Hier dreht sich der Blödsinn im Kreise!
Hier sehen Sie beispielsweise
den Türkisch sprechenden Riesenwal
und die Leiche im schwarzen Reichswehrkanal!
Und das alles für halbe Preise!

Na, wer will noch mal? Na, wer hat noch nicht?
Hier staunen Sie, bis Sie platzen!
Hier sehen Sie die boxenden Katzen!
Hier sehn Sie die Dame ohne Gesicht
und werden sich wundern, womit sie spricht ...
Feixt nicht, ihr dämlichen Fratzen!

Bild Nummer Eins - geschätztes Publikum -
zeigt uns den Massenmörder Melber.
Das brachte neunundneunzig fremde Menschen um!
Und als hundertsten sich selber.
Der Arme ...
                                                                                                                                            Herz auf Taille. Leipzig 1928)


Die triste Wirklichkeit, die bei Zille dabei letztlich Thema war, stand bei vielen Künstlern im Vordergrund. Bekannte Beispiele hierfür schufen u.a. Fernand Pelez, Hans Baluschek oder Daumier.
Dem inspirierenden Gegensatz zwischen Schein und Sein wurden von einigen Künstlern dabei metaphorische oder auch philosophische Dimensionen abgewonnen,*** bei anderen stand ein (sozialkritischer) Realismus im Vordergrund.

In illustrierten Zeitschriften wurde das Thema in der Regel von der heiteren Seite betrachtet, wobei nicht zuletzt die Methoden der Rekommandeure auf's Korn genommen wurden, die gleichsam für die Durchschaubarkeit verbreiteter Werbemechanismen stehen.
Darüber hinaus lieferte die Schaubudenparade eine ideale Vorlage für eine ganze Reihe politischer Karikaturen in satirischen Zeitschriften Frankreichs, Deutschlands und Englands.

Im Eifer
Schaubudenbesitzer: „Eintreten! Eintreten, meine Herrschaften, benützen Sie 
die Zeit und Gelegenheit! Was Sie hier sehen, ist kein gewöhnlicher Schwindel!“
(aus einer Ausgabe der Meggendorfer Blätter aus dem Jahr 1897, Sammlung Nagel)

Sammlung Nagel (Illustration von H.G. Ibels)

25.5.1901, Sammlung Nagel


* Das bekannteste Beispiel ist das Ballett "Parade" von Satie, Picasso und Cocteau.
** "Valentins Weltwunder" und "Zille und die Piktusse" sind bereits Posts überschrieben.
*** Siehe dazu den Beginn der Einleitung von „Schaubuden. Geschichte und Erscheinungsformen“ (www.schaubuden.de).

Donnerstag, 15. Oktober 2015

"Gegen die Flut an Tingeltangel im Bezirk"


"Tingel-Tangel", Jeanne Mammen 1922

... lautete die blödsinnige Aufschrift auf den Plakaten der Liste "Wir im Ersten" bei der Wiener Bezirksvertretungswahl im Oktober dieses Jahres. Die Bedeutung von "Tingeltangel" blieb in diesem Zusammenhang dabei offensichtlich gewollt nebulös.
Tingeltangel hat der vermeintlich vornehme Erste Bezirk dabei nun (leider) wirklich nicht zu bieten , selbst im altehrwürdigen Ronacher - selbstverständlich zu Varieté-Zeiten kein "Tingeltangel" - werden seit geraumer Zeit nur trendige Musicals gespielt.
Das Tingeltangel in Form von  Lokalen, kleinen Theatern bzw. Varietés und Schaubuden mit einfachen Unterhaltungsprogrammen ist weitgehend Geschichte - in Wien und anderswo. Auch artistisch sich produzierende Straßenkünstler haben sich rar gemacht. Wie schön wäre es, wenn unsere immer gleichförmigeren Städte wieder mit etwas Tingeltangel aufwarten könnten - es muss ja nicht gleich eine "Flut" sein ...


Dienstag, 28. April 2015

"The most glorious creature under the sun"



Souvenirkarte einer tätowierten Schönheit, Sammlung Nagel

... schwärmt Groucho Marx in "At the circus" (1939) von "Lydia, the Tattooed Lady" - und singt ihr eine Liebeserklärung, stellvertretend für die unzähligen tätowierten Damen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Schaubuden, in den Staaten zudem in den Sideshows der Circusse, zu sehen waren. Der Text stammt von Edgar "Yip" Harburg, der viele weitere wunderbare Songs wie "Over the Rainbow" oder "It's only a Paper Moon" schrieb. 
52 Jahre später kam das Lied in der berührenden Restaurant-Szene von Terry Gilliams  Klassiker "König der Fischer" noch einmal zu Ehren, diesmal gesungen vom großartigen Mimen Robin Williams.


Lydia the Tattooed Lady

Lydia, oh Lydia, say have you met Lydia? 
Oh! Lydia, the tattooed lady!
She has eyes, that folks adore so
And a torso even more so.
Lydia, oh Lydia, that Encyclopedia,
Oh Lydia, the Queen of tattoo!
On her back is the battle of Waterloo,
Beside is the Wreck of the Hesperus too.
And proudly above the waves,
The Red, White and Blue.
We can learn a lot from Lydia.

She can give you a view of the world 
In tattoo if you step up and tell her where.
For a dime you can see Kankakee or Paree 
Or Washington crossing the Delaware. 

Oh Lydia, oh Lydia, say have you met Lydia? 
Oh Lydia, the tattooed lady!
When her muscles start relaxin' 
Up the hill comes Andrew Jackson, 
Lydia, oh Lydia, that Encyclopedia.
Oh Lydia, the queen of them all!

For two bits she will do a Mazurka in Jazz 
With a view of Niagara that nobody has 
And on a clear day you can see Alcatraz.
You can learn a lot from Lydia. 
La la la La la la  

Come along and see Buff'lo Bill with his lasso 
Just a little classic by Mendel Picasso.
Here is Captain Spaulding exploring the Amazon 
And Godiva, but with her pajamas on.
La la la La la la 

Here is Grover Whalen unveilin' the Trylon 
Over on the west coast we have Treasure Island.
Here's Nijinsky a doin' the Rhumba,
Here's her Social Security number.
La la la La la la 

Lydia, oh Lydia, say have you met Lydia?
Oh Lydia, the champ of them all!
She once swept an Admiral clear off his feet, 
The ships on her hips made his heart skip a beat 
And now the old boy's in command of the fleet.

Zeichnung Walter Triers in "Lustige Blätter" 1924, Nr.7


Im Programmheft des Berliner Kabaretts "Schall und Rauch" vom Januar 1920 gibt Walter Mehring "Fräulein Irene, der tätowierten Wunderdame" eine Stimme:

Ich bin genannt La belle Irene,
Bin tätowiert mit mancher Szene
Bis an die Beene.

Was je begegnet einem Weibe,
Ich spüre alles, was ich treibe,
Am eig'nen Leibe.

Was nur dein Herz begehrt, und falls dir
'mal dürsten sollt, es wächst das Malzbier
Hier aus 'm Hals mir.

Ihr seht die großen Komponisten,
Die Wagner- und die Mozartbüsten, 
Auf meinen Brüsten.

Ich find't die Dolomitenzacken
Und alle europä'schen Flaggen
Auf meinem Nacken.

Hero zeigt sich im ganzen Charme,
Hier krümmt Leander sich im Harme
Auf meinem Arme.

Ihr seht auch zarte Blumen sprießen
Und kleine Bäche sich ergießen
Von meinen Füßen.

Und - werd' -ich - jetzt mein Kleid - schon heben,
(. . .)
Dann sollt den Himmel Ihr erleben,
Wo Engel schweben.

Und mitten d'rin in goldener Wehre
Die junge Republik, die hehre,
In meiner Unschuldsphäre!

(Tusch! Die Kapelle spielt "Deutschland, Deutschland!")

Sonntag, 9. November 2014

Totgesagte leben länger



Abbildung aus dem Führer einer "Anantomi-
schen Ausstellung" vom Anfang des 20. Jh.
 Sammlung Nagel


Das Dresdner Hygienemuseum zeigt zur Zeit in der Sonderausstellung "Körper-Blicke-Sensationen" Wachsfiguren und Moulagen des Wachskabinetts der Familie Hoppe.
Obwohl die Zeit solcher "Anatomischen Museen" (1) schon lange vorbei war, reiste die Schau "Der Mensch in gesunden und kranken Tagen" bis in die Mitte der 1980er Jahre von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, und bot seinem Publikum Einblicke in die innere Beschaffenheit unseres Körpers und nicht zuletzt in verschiedene abstoßende krankhafte Veränderungen desselben. Die Besucher werden diese Show in erster Linie als nostalgisches Relikt vergangenen Kirmeszaubers angesehen haben, dabei aber jener eigentümlichen Mischung aus Ekel, Faszination, Voyeurismus, Grusel und Neugierde erlegen sein, die schon unsere (Ur-)Großeltern erfasste. Letztere trieb vordergründig Wissbegier in diese "wissenschaftlichen" Museen zur Volksaufklärung, letztlich ging es aber wie bei allen Schaustellungen - und heutigen "lehrreichen" "Anatomischen Ausstellungen", deren Exponate allerdings von ganz anderer Beschaffenheit sind (2) - häufig um Sensationsgier und Schaulust.
Dass frühere Anatomische Schaustellungen dabei durchaus zur "Volksgesundheit und -aufklärung" beigetragen haben, ist damit nicht in Abrede gestellt, waren die Informationsdefizite weiter Kreise der Bevölkerung beispielsweise in Bezug auf die Schwangerschaft doch besonders groß. Hinzu kam die Drastik, mit der die Folgen einer ungesunden Lebensführung, (Geschlechts-)Krankheiten oder gar stümperhafte Abtreibungsversuche durch die wächsernen Lehrstücke vor Augen geführt wurden.

Die Dresdner Ausstellung vermittelt nicht zuletzt durch die hervorragende Ausführung der Arbeiten erstklassiger Modelleure viel von dem besonderen Reiz, den solche Objekte in früheren Zeiten ausgestrahlt haben. Dabei bedient sich die museale Konzeption nicht der "Panoptikumsmethode" (3) - was hier mehr als nahe gelegen hätte: Statt die Ausstellungsstücke quasi in den ihnen angestammten Raum durch seine Nachempfindung zurückzuführen, werden sie unter Würdigung ihrer kunsthandwerklichen Qualität in einem modernen musealen Rahmen präsentiert, der darüber hinaus Bezüge zur zeitgenössischen Kunst sowie zum Surrealismus (4) aufzeigt.

(2) ... Totgesagte leben länger: Werbung einer
 reisenden "Anatomischen Ausstellung" 
zu Beginn des 21. Jahrhunderts

(1) siehe Kapitel 1 von www.schaubuden.de
(3) siehe http://schaubuden.blogspot.de/2013/02/mehr-oder-weniger-wilde-und-die.html
(4) siehe http://schaubuden.blogspot.de/2011/07/der-falsche-doktor-und-die-surrealisten.html

Donnerstag, 17. Juli 2014

Der hat ja wohl 'nen Vogel ...


In diesem Jahr kam Rüdiger Beckers lesenswerte und aufschlussreiche Dissertation „Circusmusik in Deutschland“ von 2008 (http://kups.ub.uni-koeln.de/2668/) in Buchform heraus.
Bei seiner intensiven und fruchtbaren Beschäftigung mit wichtiger Literatur orientierte sich Becker in Bezug auf einige geschichtliche Inhalte zudem streckenweise auch deutlich an meiner Examensarbeit von 1989 mit dem Titel „Fahrende Artisten in Deutschland“. Dies gilt insbesondere für verschiedene Aspekte des niederen Spielmanns im Mittelalter, aber auch für Aussagen zu Komödianten und Gauklern der frühen Neuzeit sowie die frühe Circusgeschichte bis hin zu den Familiencircussen am Ende des 20. Jahrhunderts. Mitunter wurden sogar Begrifflichkeiten wie „Fahrende Unterhaltungskünstler“ übernommen.
Ein wenig ärgerlich ist, dass bei indirekten und direkten Zitaten im Text mit einer einzigen Ausnahme die fiktive Quelle „Vogel 1989“ statt „Nagel 1989“ angegeben wurde.

So etwas kann passieren, da ist im Arbeitseifer aus dem "Nagel" ein "Vogel" geworden. 
Meine Arbeit wird dabei korrekt im Literaturverzeichnis aufgeführt, Becker hat sie im Marburger „Circus- und Varietéarchiv“ vorgefunden, dessen Leiter damals ein Exemplar geschenkt bekam.
 

Mittwoch, 4. Juni 2014

Im Angesicht des Todes


 Domenica del Corriere 9.Sept.1962, Titelillustration von Walter Molino (Sammlung Nagel)

Der Tod scheint allgegenwärtig im Artistenmilieu: "Todesmutige" Dompteure stecken den Kopf in den Rachen der Bestie, Hochseilläufer spielen in schwindelnder Höhe mit ihrem Leben, Artisten präsentieren den legendären "Salto Mortale", ... - die Liste "lebensgefährlicher" Darbietungen ist unüberschaubar.
1924, Sammlung Nagel
"Der Artist bittet nach der Darbietung um ein Extra-Salär. Dieses Geld dient allein der Absicherung im Unglücksfall. Aufgrund der Gefährlichkeit der Darbietung ist keine Versicherung bereit, ihn aufzunehmen."

"Todeswand", "Todeskugel" oder "Todesrad" - die (Über-)Betonung ihrer Gefährlichkeit soll die artistische Attraktion aufwerten und nicht zuletzt sensationsheischendes Publikum anziehen. Es scheint allerdings fraglich, ob dieses Publikum, wie oft kolportiert, auf das Misslingen, den fatalen Fehler tatsächlich aus ist: Der frenetische Applaus nach einer spannungsgeladenen gefährlichen Darbietung ist nicht zuletzt auch ein Ausdruck der Erleichterung darüber, dass, wie zu erwarten, alles gut gegangen ist.
Nervenkitzel, Mut und Risikobereitschaft der Akteure wirken an sich. Vor allem aber übt die "Todesverachtung", das (vermeintliche) "Spiel mit dem Tod", eine eigentümliche Faszination aus, die zahlreiche interessante psychologische Deutungen nahelegt ...

Unfälle in Menagerien wurden in den illustrierten Zeitschriften des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts immer wieder aufgegriffen und durch in der Regel recht reißerische Grafiken illustriert. Dieser Holzstich unterscheidet sich dabei von den zahlreichen anderen Illustrationen, die Angst, Schrecken und Panik wiedergeben: Die junge Dompteuse ist gestürzt und somit ihrer "Alpha-Stellung" beraubt. Ein Löwe hindert sie mit seiner Pranke daran, sich wieder zu erheben, die anderen Raubtiere reagieren hoch nervös auf die ungewohnte Situation, die in wenigen Augenblicken zu eskalieren scheint. Die Tierbändigerin indes zeigt keinerlei Anzeichen von Todesangst oder Panik. Entweder hat sie sich ihrem Schicksal ergeben oder aber die kaltblütige Schöne will die Bestien nicht durch Anzeichen von Angst zum finalen Angriff reizen. "Todesmutige" Raubtierbändigerinnen verkörperten einen selbstbewussten Frauentypus, der im schärfsten Gegensatz zum Rollenverständnis ihrer Zeit stand. (Sammlung Nagel)


Dienstag, 7. Januar 2014

Kirmestreiben


Karussells boten in früheren Zeiten nicht nur Kindern ein Vergnügen.
Später wurde mit Vorliebe bei  Raupenbahnen und Autoscootern geflirtet.
(Abbildung aus einer französischen Illustrierten von 1941, Sammlung Nagel)

Detail einer Bildpostkarte um 1900, Sammlung Nagel
Viele Vergnügungen auf der Kirmes waren seit jeher erotischer Natur. Für die junge Landbevölkerung bot der Jahrmarkt im nächstgelegenen größeren Ort eine der wenigen Möglichkeiten, in einer gelösten Atmosphäre Kontakte mit dem anderen Geschlecht außerhalb des eng begrenzten Lebensraums zu knüpfen, und oft war der Jahrmarkt gleichzeitig auch ein "Heiratsmarkt".
Hierin mag der der Grund dafür liegen, dass sich der "Rummel" zum Ort eines ausgelassenen, ja enthemmten Treibens entwickelte, das allenfalls noch mit dem Karneval oder den alten Narrenfesten zu vergleichen war. Die Traditionen, die sich vielerorts mit diesem "Kirmestreiben" entwickelt haben, ähneln daher auch nicht von ungefähr denen des Karnevals - bis hin zum abschließenden Verbrennen einer Puppe bzw. Vergraben eines Tierknochens, die gleichsam für die "Sünden" der vergangenen Tage standen.

"Lockvogel" vor einer amerik. Schau der 40er
Sammlung Nagel

Ein erotisches Fluidum verbreiteten darüber hinaus zahlreiche Schaubuden (siehe die Kapitel 6 und 8 unter www.schaubuden.de) sowie nicht zuletzt Bemalungen auf Schau-, Belustigungs- und Fahrgeschäften aller Art. Erwin Ross, "der Rubens von der Reeperbahn", war nicht von ungefähr auch als Schaustellermaler tätig.










Detail einer Malerei von Fritz Laube auf einem Belustigungsgeschäft



Als einen Grund für das vermeintlich maß- und sittenlose Treiben auf den Jahrmärkten beschreibt R. Wunderer in seinem sehr tendenziösen Buch "Hexenkessel der Erotik" (Stuttgart 1963), den "schlechten Geschmack der Masse".
Diese breite Masse hatte auf den Festplätzen dabei stehts ihre Favoriten, wenn es ums Näherkommen und Flirten ging. In früheren Zeiten war dies das "Teufelsrad" - ein "Belustigungsgeschäft" im wahrsten Wortsinn, das seinerzeit wie kein anderes für ungezwungenes Vergnügen stand.

Ringelpiez mit Anfassen: Illustration aus einer Zeitschrift von 1911
Sammlung Nagel 


Samstag, 9. November 2013

Arletty im Bade


Der Jahrmarkt mit seinen Schaustellungen faszinierte zahlreiche Literaten und bildende Künstler von Rang als eine unwirklich anmutende Gegenwelt, die sie zu einer Vielzahl künstlerischer Werke inspirierte.
Auch dem Film diente der Jahrmarkt immer wieder als Kulisse, so in Marcel Carnés Meisterwerk "Kinder des Olymp" aus den 1940er Jahren. Die Protagonistin Garance, gespielt von der großartigen Arletty, tritt zu Beginn des Film in einem "Piktus"* auf: In einem mit Wasser gefüllten Zuber sitzend, wird sie von Männern aus der Unterschicht begafft, wobei sie die gleiche unnahbare Würde ausstrahlt, mit der sie im Verlauf des Films allen Männern, ob Gaunern, Künstlern oder Adeligen, begegnet.

Ein anderer Klassiker der Filmgeschichte greift die geheimnisvolle Aura, die einige Schaubuden umgab, in künstlerisch übersteigerter Form auf. Der Somnambule in Robert Wienes "Das Cabinet des Dr. Caligari" von 1920 hat dabei reale Vorbilder in Schaubuden, in denen "Hellseher" mit Hilfe des "Somnambulismus" Gedanken zu lesen vorgaben, versteckte Gegenstände aufspürten und manipulierten oder auch in die Zukunft schauten.**


 "Rummelplatz der Liebe" (1954), Illustrierte Film-Bühne Nr. 2395
Als populäre, vorrangig die Schaulust ansprechende anspruchslose Unterhaltungsform waren der "Rummel" und nicht zuletzt die Schaubuden aber ebenso häufig Thema von Filmen simplerer Machart. Auch hier erscheint der Jahrmarkt oft als Gegenwelt und mehr noch als Ort, in den mehr oder weniger unterdrückte Wünsche und Sehnsüchte projiziert werden. Erotik und Exotik spielen dabei zentrale Rollen: die vermeintliche Ungebundenheit der Artisten und Schausteller, ihre romantisierend dargestellte "unstete" Lebensweise, aber auch sittlich-moralische Grenzüberschreitungen, Intrigen und Eifersucht.


Als der Film "Looping" im Jahr 1980 gedreht wurde, lagen die wenigen verbliebenen Schaubuden "in den letzten Zügen". Obwohl dies nur der Hintergrund der eigentlichen, recht dünnen Story ist, beschreibt der Film das Ende der Ära der Schaubuden sehr treffend: Die Darbietungen einer heruntergekommenen Bude ziehen nicht mehr und nicht zuletzt die Kunstschützendarbietung der Prinzipals Jonny (Hans-Christian Blech) ist für die wenigen angetrunkenen Gäste nur noch eine Lachnummer. Erst als man eine Striptease-Show präsentiert, kann man kurzfristig wieder Publikum anziehen.


Heute werden die Jahrmarkts-Darbietungen vornehmlich in einer meist nostalgisch verklärten Rückschau betrachtet, wobei ein skurriler, theatralischer Budenzauber oftmals im Mittelpunkt steht, der den Originalen im Ansatz durchaus entspricht, wenngleich er dort meist in weit profanerer Weise in Erscheinung trat. Terry Gilliams "Das Kabinett des Dr. Parnassus" (2009) - eine Mischung aus Schaubude und barocker Wanderbühne - ist auch eine Hommage an diesen vergangenen Budenzauber.


* siehe dazu www.schaubuden.de, Kapitel 8, S.149f
** siehe dazu www.schaubuden.de, Kapitel 2, S. 44f