Dienstag, 14. August 2012

"Entschleunigtes Sehen"


Bildpostkarte von 1911, Sammlung Nagel

Viele Panoramamaler waren auf ein Sujet spezialisiert. Hier entsteht
 ein Schlachten-Panorama. (Holzstich von 1888, Sammlung Nagel)
Im 19. Jahrhundert existierten in vielen Städten große steinernde Rotunden, in denen riesige Rundgemälde gezeigt wurden. Die Besucher konnten von erhöhten Plattformen in der Mitte der Gebäude Landschaften, Städte oder historische Ereignisse betrachten. Die enormen Ausmaße der Bilder, ihre detailreiche, realistische, "polyperspektivische" Malweise und die Rundumsicht schufen für den Menschen des 19. Jahrhunderts nicht nur die Illusion realistischer Blicke auf fremde Orte und vergangene Zeiten, die Panoramen ließen sie in diese fernen Welten geradezu eintauchen.

Mit dem Aufkommen des Kinos um die vorletzte Jahrhundertwende endete die scheinbar die Epoche der großen Panoramen und nur sehr wenige dieser beeindruckenden Unterhaltungs- und Bildungsmedien des 19. Jahrhunderts blieben erhalten.

Wider Erwarten begann jedoch in den 1970er Jahren eine Renaissance des Panoramas, für die in Deutschland das Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke in Frankenhausen steht, der daran von 1976 bis 1987 arbeitete. 

Mit den monumentalen, computergestützten Arbeiten des Künstlers Yadagar Asisi erlebt das Panorama sogar eine regelrechte neue Blüte. Mit einem hohen Anspruch an größtmögliche Wirkung, Authentizität und Detailreichtum ließ Asisi bisher u.a. das barocke Dresden, Rom zu Zeiten Konstantins oder das antike Pergamon wieder auferstehen. 
In Dresden und Leipzig nutzt er als Stätten eines "entschleunigten Sehens" Gasometer aus dem 19. Jahrhundert, die den originalen Panoramabauten dieser Zeit sehr nahe kommen und sinnreich als "Panometer" bezeichnet werden.