Samstag, 25. Mai 2013

Kulturgeschichten


Das Interesse an Themen der Alltags- und Unterhaltungskultur führt oftmals zur Beschäftigung mit Büchern, die vorgeben eine, wenn nicht gar "die" "Kulturgeschichte" eines Themas XY zu sein.
Solche "Kulturgeschichten" waren in der Vergangenheit einmal Glanzstücke unter den Sachbüchern und Hauptwerke fähiger, kenntnisreicher Autoren mit Hintergrund - geistreiche, vielschichtige Betrachtungen eines Gegenstandes aufgrund einer jahrelangen Auseinandersetzung einschließlich intensiver Quellenarbeit.
Solch ausgezeichneten "Kulturgeschichten" sind selten geworden, Bücher, die diese Bezeichnung im Untertitel führen, allerdings nicht. Der Begriff wird geradezu inflationär gebraucht, die Gründe dafür liegen auf der Hand und werfen ein denkbar schlechtes Licht auf Autoren der gewissen Sorte, die zukünftig mit einer "Kulturgeschichte" unter ihren Veröffentlichungen ganz gewiss nicht hinter dem Berg halten werden.
Diese Kulturgeschichten der seichten Art zeichnen sich allenfalls durch eine aufwendige Gestaltung aus. Eine Konzeption wird oftmals nur ansatzweise entwickelt und erscheint ebenso beliebig und lückenhaft wie Schwerpunktsetzung, Gliederung und Inhalt. Die oberflächliche, im schlimmsten Fall erschreckend kenntnisarme Darstellung gründet sich dabei bisweilen - wie ich selbst erleben musste - auf überaus fragwürdige Mittel der Informationsbeschaffung sowie ganz offensichtlich auf die Sichtung weniger Standardwerke zum Thema. So umfasst das Quellenverzeichnis dann auch mitunter nur eine Liste von "Auswahlliteratur", die sich in Wirklichkeit als Grundlage der "Kulturgeschichte" erweist. Doch wenn auch noch so viele unerlässliche Schriften in der mageren Liste der "Auswahlliteratur" fehlen: Sämtliche, das Thema gerade noch am äußersten Rande streifenden Publikationen der Autorin oder des Autors werden selbstverständlich aufgeführt ...




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