Dienstag, 1. Mai 2018

Haus auf Rädern



Der "klassische" Wohnwagen der Schausteller und Circusleute - im Idealbild mit Oberlicht und kleiner Veranda - geht zurück auf die Maringotte, ein von Pferden gezogener, ursprünglich einachsiger  Wohnwagen der Reisenden, eine Weiterentwicklung eines französischen Kutschentyps gleichen Namens. Die Maringotte löste im frühen 19. Jahrhundert die bis dahin üblichen Planwagen ab.



In den Schaustellerwohnwagen ging es im 19. Jahrhundert zumeist wenig komfortabel und vor allem überaus beengt zu. Da aus Kostengründen bzw. aus Mangel an Zugtieren  i.d. R. wenig Wagenmaterial eingesetzt wurde, mussten zudem viele Mitglieder einer Gesellschaft zu Fuß reisen. (vgl. Abbildungen im vorletzten Blog: "... diese ein wenig Flüchtigern noch als wir selbst")
Auch am Standort beherbergten die Wagen oftmals nur die Betreiber der Geschäfte, sogar ihre Kinder mussten sich häufig wie die Gehilfen und Musiker an anderer Stelle ihre Schlafplätze suchen.
Engagierte Artisten größerer Geschäften logierten bis ins 20. Jahrhundert hinein in Gasthäusern oder bei Privatpersonen, die Zimmer vermieteten. Die Vermittlung solcher Unterkünfte war eine der Aufgaben des "Vorreisenden".

Seit dem Ende des 19. Jh schafften sich wohlhabende Direktionen luxeriöse, repräsentative Wohnwagen an. Sie dienten nicht selten als Statusobjekte und die Inneneinrichtung ahmte zumeist (groß-)bürgerliche Wohnungen nach.


Der Manegeriebesitzer Bidel in seinem fahrenden Salon.
Fotografie in einer französischen Illustrierten aus dem Jahr 1897. 

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts kamen darüber hinaus zunehmend öfter Lokomobile und später Straßenschlepper zum Einsatz, die die Wagen entweder direkt zum nächsten Gastspielort oder zur Bahnverladung zogen.


Abbildung aus einer französischen Illustrierten des Jahres 1919


Mitunter musste auch ein Pkw als Zugmaschine genügen. 

Über viele Jahrzehnte zogen in Deutschland Straßenschlepper von Hanomag, Deutz oder Lanz Schausteller- und Circuswagen von Firmen wie Stork, Macke oder Zierer. Einige der Tradition verpflichtete Schausteller pflegen solche alten Schätzchen und führen sie bei passender Gelegenheit vor:



Abbildungen: Sammlung Nagel

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