Sonntag, 25. Oktober 2009

Mit Pauken und Trompeten




Die Schaubudenbesitzer versuchten mit vielerlei Mitteln die Aufmerksamkeit der Kirmesbesucher auf ihr Geschäft zu lenken um sie letztlich zum Besuch ausgerechnet ihres Etablissements zu bewegen. Das wichtigste Mittel hierbei war die "Schau vor der Schau", die "Parade" auf dem Podium vor der Bude, mit den wortgewaltigen Anpreisungen des Rekommandeurs und Kostproben aus der Vorstellung. Daneben wurden zahlreiche akustische Mittel eingesetzt, die in ihrer Vielzahl und Verschiedenartigkeit für ein höchst interessantes Klangbild in den "Budengassen" gesorgt haben düften...
Bei kleineren Buden wurde zumindest kräftig "auf die Pauke" gehauen und der Rekommandeur unterstützte seinen Vortrag durch heftiges Läuten seiner Glocke. Größere Schaustellungen führten kleine Ensembles mit, wobei während der Parade Blech- und Schlaginstrumente vorherrschten. Die Musiker kamen vor allem aus Böhmen und der Pfalz - sehr häufig aus der Gegend um das Dorf Mackenbach, so dass bei Schaustellern und Circussen engagierte Musiker im Jargon der Reisenden "Mackenbacher" genannt wurden. (http://www.musikantenmuseum.de/Musikantentum.htm) Es war aber auch durchaus üblich, Musiker vor Ort für die Dauer des Jahrmarkts zu engagieren. Die Kapellen spielten bei der Parade auf und begleiteten die Vorstellungen von Menagerien, Liliputanershows, Zauberern und Jahrmarktvarietés.
Letztendlich waren die zahlreichen lautstarken Jahrmarktsorgeln, die ganze Orchester imitieren konnten, eine Möglichkeit das Publikum anzulocken. Diese Orgeln bildeten mit ihrem überbordenden Jahrmarktsbarock und den beweglichen Figuren zudem einen ansprechenden Blickfang und wurden deshalb stets an exponierter Stelle im Fassadenbereich aufgestellt. Besonders Kinematographen und Panoptiken verfügten häufig über besonders eindrucksvolle Orgeln. Als Zentrum des Orgelbaus erlangte Waldkirch im Breisgau große Bekanntheit. Viele der dort vor allem von den Firmen Ruth und Bruder produzierten Jahrmarktsorgeln sind seit Generationen im Besitz alter Schaustellerfamilien und bilden nostalgische Schmuckstücke im hektischen Treiben auf dem Rummel unserer Tage.
Daneben präsentieren einige Sammler und Museen die alten Schätzchen im tadellosen und oftmals funktionstüchtigen Zustand. Die nachfolgend abgebildete Ruth-Orgel aus dem Besitz von Ruud Vader ist das Exemplar, welches auf obigem Foto einer Liliputanerbude vom Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen ist. Sie wurde 1907 ausgeliefert und beschallte später eine Krinoline sowie ein kleines Riesenrad, eine sog. "Russische Schaukel".





(Die Informationen zur Geschichte der Orgel sowie das Farbfoto stammen von Ruud Vader, die alte Abbildung ist aus meiner Sammlung.)
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