Samstag, 9. April 2016

Lumpenproletariat


Cadel 1901

Eugene Cadel zählte zu den großartigen französischen Karikaturisten, die um die vorletzte Jahrhundertwende in Zeitschriften wie "Le Rire", "Le Sourire" oder "Assiette au Beurre" nicht zuletzt oftmals harsche Sozialkritik übten. Zu den Unterschichten, deren Lage sie dabei schonungslos und nicht selten mit bitterer Ironie darstellten, gehörten wie zu allen Zeiten auch Artisten, die sich auf den Straßen und Plätzen der Städte bestenfalls in armseligen Schaubuden oder schäbigen "Spelunken" produzierten. Ähnlich ihrem deutschen Kollegen Heinrich Zille nahmen sich Eugene Cadel und Henri-Gabriel Ibels der umherziehenden Unterhaltungskünstler, den "Saltimbanques", in all ihren Erscheinunsgformen besonders häufig an.
Karl Marx zählte diese "Herumtreiber", die "nie ihren Tagediebcharakter verleugnen" zum "Lumpenproletariat", wobei die heftigen, undifferenzierten Auslassungen des großen Klassentheoretikers letztendlich nur kleinbürgerliche Vorurteile und uralte Ausgrenzungen widerspiegeln, die zum Teil bis heute fortwirken. Zum Lumpenproletariat, "die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen la bohème nennen", zählte Marx "neben zerrütteten Lebeherren (...) von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, (...) Gauner, Gaukler, (...), Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, (...), Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker und Bettler."


Cadel 1901

Ferdinand Louis Gottlob 1902

Henry Mirande 1904

Abbildungen: Sammlung Nagel

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