Samstag, 15. Oktober 2016

Großkunde


Xaver Schichtl um 1914, Sammlung Nagel

Das ureigenste Werbemittel der Schaubuden war seit jeher die Parade, "die Schau vor der Schau". Desweiteren inserierten die Prinzipale in Zeitungen und ließen Werbezettel verteilen oder aufhängen. Ende des 19. Jahrhunderts kam das farbige Plakat auf, dass Schausteller, Artisten und insbesondere Circusdirektoren rasch für sich entdeckten. Die Hamburger Druckerei Friedländer war auf Aufträge dieses Klientels spezialisiert.
Unter den Schaubuden warben vor allem größere Geschäfte mit diesen wirkungsvollen, aber aufwändig zu produzierenden und daher kostspieligen Lithographien. Kleinere Geschäfte setzten allenfalls Lagerplakate mit Darstellungen der gängigen Attraktionen ein, die die Druckereien stets vorrätig, also "auf Lager" hatten.
Die Familie Schichtl mit ihren großen und beliebten Jahrmarktstheatern ließ demgegenüber zahlreiche eigene Plakate bei Friedländer und anderen "lithografischen Anstalten" drucken.
Im Gegensatz zu den Marionettenspielern, die in (Gasthaus-)Sälen abendfüllende Stücke aufführten, zeigten die Schichtl-Theater vornehmlich kleine Szenen mit Kunst- und Verwandlungsmarionetten. Viele der Plakate warben mit Illustrationen dieser Programmpunkte. Das abgebildete Exemplar stellt ein typisches Beispiel hierfür dar. Wenn es auch hinsichtlich des Bildaufbaus, der Farb- und der Schriftgestaltung nicht zu den herausragenden Schichtl-Plakaten zählt, vermittelt es dennoch den besonderen Charme dieser Druckerzeugnisse aus dem Hause Friedländer in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Weitere Originale aus meiner Sammlung finden sich unter www.schaubuden.de auf den Seiten 66, 67, 165, 169 und 170.


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